bejubelt, verfemt, verschollen ...
nach über einem halben Jahrhundert wiederentdeckt ...

»Nathan der Weise« zu Gast beim YOUNG EURO CLASSIC FESTIVAL 2010
20. August 2010 | 20.00 Uhr

Konzerthaus am Gendarmenmarkt | Berlin


Musik: Rabih Abou-Khalil (2009)
Mit Rabih Abou-Khalil (Oud), Michel Godard (Tuba), Jarrod Cagwin (Percussion)und dem Bundesjugendorchester - Nationales Jugendorchester der Bundesrepublik Deutschland unter der Leitung von Frank Strobel.

19 Uhr: KONZERTEINFÜHRUNG
Ort: Musikclub im Konzerthaus - Einlass mit Ticket zum Konzert um 20 Uhr.


Bundesjugendorchester - Nationales Jugendorchester der Bundesrepublik Deutschland


Der außerordentliche Standard des Bundesjugendorchesters resultiert aus der langjährigern kontinuierlichen Arbeit. Seit der Gründung des Orchesters durch den Musikpädagogen Dr. Peter Koch im Jahr 1969 treffen sich hochbegabte 14- bis 19-Jährige Instrumentalisten aus der gesamten Bundesrepublik, die ihre außergewöhnlichen Leistungen bereits bei verschiedenen Wettbewerben wie z. B. »Jugend musiziert« unter Beweis stellen konnten. Sie verzichten für die dreimal jährlich stattfindenden Arbeitsphasen sowie für anspruchsvolle Sonderprojekte auf Ferien und Freizeit. Dozenten aus Musikhochschulen und großen Sinfonieorchestern, wie den Berliner Philharmonikern, bereiten sie in den einzelnen Instrumentengruppen auf die Arbeit im Gesamtorchester vor. Die Orchestermitglieder sind den Umgang mit Dirigenten wie Gerd Albrecht, Heinz Holliger, Bernhard Klee, Kurt Masur, Heinrich Schiff und Mario Venzago gewohnt, und fordern sie durch den sich weit vom Routinebetrieb bewegenden Lernprozess, der sich aus Unterricht und künstlerischer Eigenverantwortung zusammensetzt.

Nach jeder Arbeitsphase scheiden ältere Mitglieder aus und jüngere kommen hinzu. So ist das Ensemblebild stets von neuen Gesichtern geprägt. Jedes Konzert des Bundesjugendorchesters hat deshalb auch künstlerisch und menschlich etwas Einmaliges, das Routine nicht zulässt, sondern für frische, von der jugendlichen Aura des Orchesters geprägte Interpretation sorgt. Auch ruft das Bundesjugendorchester mit seinen interessanten und vielseitigen Programmen internationale Begeisterung hervor. Doch die musikalische Qualifikation im Ensemble geht immer auch mit einer sozialen Hand in Hand. Bedenkt man, welche Trainingsmöglichkeiten für menschliche Konfliktsituationen, die über das rein musikalische hinausgehen, den jungen Musikern geboten werden, so mag man die Bedeutung erkennen, die das Bundesjugendorchester zu weit mehr als einer Nachwuchsförderung für Orchestermusiker werden lässt.

Seit einigen Jahren engagieren sich die jungen Musiker besonders im Rahmen grenzüberschreitender und zeitgeschichtlich bedeutender Projekte. Konzerte in Israel mit Gary Bertini, im ehemaligen Konzentrationslager Theresienstadt mit Gerd Albrecht gehören ebenso dazu wie die Gedenkkonzerte für die Opfer der Atombombenabwürfe von Hiroshima und Nagasaki mit dem Requiem von Mozart und Luigi Nonos »Sul Ponte die Hiroshima« unter der Leitung von Bernhard Klee. Eine USA-Tournee mit Kurt Masur anlässlich des fünfzigsten Jahrestages der Berliner Luftbrücke zählt zu den weiteren Highlights. Auch diese Art von unkonventionellem Kulturengagement zeichnet das Bundesjugendorchester aus.

Seit der Gründung liegt die Trägerschaft des Bundesjugendorchesters beim Deutschen Musikrat. Von Beginn an haben das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und die Deutsche Stiftung Musikleben die Grundfinanzierung des Orchesters übernommen. Weitere Unterstützung erfährt es durch den Westdeutschen Rundfunk und die Daimler AG. Durch die Zusammenarbeit des Deutschen Musikrates mit dem WDR und anderen Rundfunkanstalten erscheinen regelmäßig CDs, die inzwischen zu einer beeindruckenden Dokumentation der Arbeit von Deutschlands jüngstem Spitzenorchester geworden sind.

Frank Strobel | Dirigent


(*1966, München)
Als ein Künstler, der sich bewusst zur Auseinandersetzung mit übergreifenden Genres und Stilarten der Musik bekennt, pflegt der 1966 in München geborene Dirigent Frank Strobel neben dem klassisch-romantischen Repertoire und der Musik des 20. Jahrhunderts mit großer Lust auch das weite Feld von "Musik und Film". Er leitete Uraufführungen von Werken der Komponisten Franz Schreker, Alexander Zemlinski und Siegfried Wagner sowie eine Reihe von Erst- und Uraufführungen jüngerer Werke des Musiktheaters. Eine besondere künstlerische Beziehung verband ihn mit Alfred Schnittke. 2003 leitete er die Uraufführung und Einspielung der Originalmusik zu "Alexander Newski" von Sergei Prokofjew, deren Originalpartitur er auch rekonstruierte. Dafür wurde Frank Strobel mit der höchsten zivilen Auszeichnung Russlands prämiert. Im Jahr 2006 dirigierte er in der Semperoper die Staatskapelle Dresden anlässlich der Wiederaufführung des “Rosenkavalier”-Films mit der Originalmusik von Richard Strauss. Neben seiner Konzerttätigkeit ist Frank Strobel als Filmdirigent international bekannt geworden. Er richtete Originalmusiken und Neukompositionen zu über fünfzig Stummfilmklassikern ein. Mit führenden europäischen Symphonieorchestern spielt er Musik für internationale Kino- und Fernsehfilme ein, sowie Werke anderer Genres für Rundfunk und Schallplatte. Frank Strobel wurde mehrfach mit dem Deutschen Schallplattenpreis ausgezeichnet. Bis 1998 war er Chefdirigent des Deutschen Filmorchester Babelsberg. Seit dem Jahr 2000 ist Frank Strobel künstlerischer Leiter der von ihm mitgegründeten "Europäischen FilmPhilharmonie". Konzertreisen führten ihn in nahezu alle europäischen Länder sowie in die USA, nach Kanada, Mittel- und Südamerika als auch nach Asien. Er nahm an verschiedenen Festivals teil, u.a. an den Berliner und Wiener Festwochen. Frank Strobel lebt in Berlin.

Jarrod Cagwin | Percussion


(* 1974 in Iowa) ist ein US-amerikanischer Jazz-Perkussionist. Cagwin wuchs auf einer Farm in Iowa auf, nahm an zahlreichen regionalen und nationalen Wettbewerben für junge Musiker teil und erhielt 1992 ein Stipendium für ein Studium am Berklee College of Music, das er 1996 „cum laude“ abschloss. Er war dort Schüler von Jamey Haddad und Glen Velez und studierte 1995 an der York University in Toronto südindische Trommeltechnik bei Trichy Sankaran. Nach Abschluss des Studiums ging er nach New York, wo er u.a. in der Knitting Factory und dem Tonic auftrat und als Studiomusiker arbeitete. Ab 1997 unternahm er Konzert- und Studienreisen durch Europa, den Mittleren Osten sowie Nord- und Westafrika, wo er sich u.a. mit der Musik der Ewe, Ga, Ashanti, Mandinka und Berber befasste. Seit 1999 ist Cagwin Mitglied der Band von Rabih Abou-Khalil. Außerdem arbeitete er mit Charlie Mariano, Michel Godard, Dusan Gojkovic, Joe Beck, Joe Lovano, Dave Samuels, Gabriele Mirabassi, Emmanuelle Somer, Howard Levy, Gary Burton und anderen.

Rabih Abou-Khalil | Oud


(* 17. August 1957 in Beirut, Libanon), Komponist, Oud-Spieler und Jazz-Musiker, studierte arabische und westliche Musik an der Beiruter Kunstakademie. 1978 flüchtete er vor dem libanesischen Bürgerkrieg nach München, wo er Querflöte bei Walter Theurer studierte. Sein Hauptinstrument blieb aber der Oud, die orientalische Kurzhalslaute (Vorläufer der europäischen Laute, Begriffsherkunft arab.: al’ oud). Basis seiner Spielweise ist arabische Musiktradition, die er mittels Improvisation als moderne Musikspielweise weiterentwickelt und die er erfolgreich auch in einen Jazzkontext zu stellen vermag. Er arbeitet bevorzugt mit „Grenzgängern“ zusammen wie dem Kronos Quartet, dem Ensemble Modern und dem Balanescu Quartett sowie Jazzmusikern wie Charlie Mariano, Kenny Wheeler, Joachim Kühn und dem Weltmusiker Glen Velez. Seit den 1990er Jahren nimmt er weltweit an großen Jazzfestivals teil. 2002 erhielt er eine Ehrenurkunde zum Preis der deutschen Schallplattenkritik für sein Gesamtwerk. Seit 2003 tritt er in einer Formation mit Michel Godard, Gabriele Mirabassi, Luciano Biondini und Jarrod Cagwin auf, zu der seit 2004 auch der sardische Sänger und Saxophonist Gavino Murgia tritt. Im Jahr 2006 realisierte er seine erste große sinfonische Musik mit dem BBC Concert Orchestra.

Michel Godard | Tuba


(* 1960 in Héricourt, Haute-Saône) studierte klassische Musik (Trompete) am Musikkonservatorium in Besançon und Paris. Auf der Suche nach Einspielungen von Musik mit Tuba stieß der auf die Schallplatte „Bush Baby“ mit Bob Stewart, Tuba, und Arthur Blythe (Saxofon). Nach Godards Bericht war das der Einstieg in den Jazz und die Improvisierte Musik. Er war von 1988 an Mitglied des Philharmonischen Orchesters von Radio France. Von 1989 bis 1991 spielte Godard im Orchestre National de Jazz unter Claude Barthélémy. Weiterhin gehörte er verschiedenen weiteren Ensembles an wie dem Französischen National Orchester, dem Ensemble Musique Vivante, dem Ensemble Jacques Moderne, dem Ancient Music Ensemble La Venice und „XVIII-21Musique de Lumieres“ und dem „Arban Chamber Brass" Quintett. Michel Godard ist heute ein besonders profilierter europäischer Jazzmusiker, der als einer der ersten auf der Tuba mehrstimmige Spieltechniken (Multiphonics) einsetzte, auch zeitgenössische und Alte Musik spielt und in sehr unterschiedlichen Ensembles und Besetzungen auftritt sowie Platten aufnimmt. Ungewöhnlich ist, dass Godard außer der Tuba auch Serpent, den Vorläufer der Tuba, (seit 1979) spielt. Michel Godard lebt im Städtchen Monthyon (bei Meaux, Frankreich).