bejubelt, verfemt, verschollen ...
nach über einem halben Jahrhundert wiederentdeckt ...

»Nathan der Weise« zu Gast beim YOUNG EURO CLASSIC FESTIVAL 2010
20. August 2010 | 20.00 Uhr

Konzerthaus am Gendarmenmarkt | Berlin


Musik: Rabih Abou-Khalil (2009)
Mit Rabih Abou-Khalil (Oud), Michel Godard (Tuba), Jarrod Cagwin (Percussion)und dem Bundesjugendorchester - Nationales Jugendorchester der Bundesrepublik Deutschland unter der Leitung von Frank Strobel.

19 Uhr: KONZERTEINFÜHRUNG
Ort: Musikclub im Konzerthaus - Einlass mit Ticket zum Konzert um 20 Uhr.


Über den Film

Von Nina Goslar, ZDF


Nathan der Weise, D 1922, Länge: ca 122 Min. - restaurierte viragierte Fassung als HD-DVD in der Edition filmmuseum

Regie: Manfred Noa (1893-1930)

Darsteller: Werner Krauss (Nathan), Carl de Vogt (Tempelherr), Fritz Greiner (Saladin), Bella Muzsnay (Recha), Lia Eibenschütz (Sittah, Schwester des Sultan)

Der 1922 entstandene Film »Nathan der Weise« ist bis heute die einzige Verfilmung des großen Lessing-Dramas. Inszeniert wurde der Film von Manfred Noa, einem der talentiertesten jungen Regisseure der Weimarer Republik. Nathan lief ab 1923 erfolgreich in deutschen und ausländischen Kinos und erhielt vielerorts spontanen Szenenbeifall, an anderen Orten war er schon bei der Premiere Ziel organisierter antisemitischer Propaganda. Nach 1933 verschwand der Film völlig aus den Kinoprogrammen. Erst 1996 wurde die einzig erhaltene Kopie des Films im Staatlichen Russischen Filmarchiv wiederentdeckt und 2006 im Filmmuseum München sorgsam restauriert.

Regisseur und Produzent hatten den Ehrgeiz, einen publikumswirksamen Film zu machen. Die Hauptrollen sind mit Werner Krauß als Nathan und Carl de Vogt als Tempelherr prominent besetzt. Manfred Noa setzt die Geschichte in großen Szenen um; im Stil der monumentalen Historienmalerei des 19. Jahrhunderts baut er malerische Tableaus und inszeniert vor diesem Panorama kammerspielhafte Szenen von hoher Intensität.

Es entstand ein Film von ungebrochener Aktualität, der – die Inszenierung als Historienfilm mag das zunächst nicht vermuten lassen - einen durchaus modernen Blick auf Lessings ‚Dramatisches Gedicht’ aus dem Jahre 1779 wirft. Die Eckpunkte der Handlung bleiben dieselben, die Ring-Parabel steht im Mittelpunkt, der Appell am Schluss zur Toleranz ist da - und doch spricht aus dem Film eher Skepsis gegenüber der ordnenden Kraft menschlicher Vernunft und aufklärerischer Ideale. Noas Verfilmung lenkt den Blick auf die Gefährdungen von Lessings Toleranz-Utopie und thematisiert den Irrsinn der Glaubenskriege, in denen sich der Appell für Glaubensfreiheit fast als Wahnwitz ausnimmt (vgl. FAZ-Kritik vom 21.08.07).