bejubelt, verfemt, verschollen ...
nach über einem halben Jahrhundert wiederentdeckt ...
»Nathan der Weise« zu Gast beim YOUNG EURO CLASSIC FESTIVAL 2010
20. August 2010 | 20.00 Uhr
Konzerthaus am Gendarmenmarkt | Berlin
Musik: Rabih Abou-Khalil (2009)
Mit Rabih Abou-Khalil (Oud), Michel Godard (Tuba), Jarrod Cagwin (Percussion)und dem Bundesjugendorchester - Nationales Jugendorchester der Bundesrepublik Deutschland unter der Leitung von Frank Strobel.
19 Uhr: KONZERTEINFÜHRUNG
Ort: Musikclub im Konzerthaus - Einlass mit Ticket zum Konzert um 20 Uhr.
YEC: Nathan, der Höhepunkt
15.01.2011 00:59 - Thomas Schmölz
PAPERPRESS 21.08.2010
Bei Young Euro Classic reihen sich die Höhepunkte vom ersten bis zum letzten Tag aneinander. Alle Orchester, Solisten und Dirigenten boten eine hervorragende Leistung und Qualität. Es ist schwer, das Highlight der Highlights auszumachen. Ohne die anderen Konzertabende schmälern zu wollen, kann man aber wohl festhalten, dass die Aufführung des Stimmfilms „Nathan der Weise“ am 20. August mit dem Bundesjugendorchester aus allen Höhepunkten des Festivals hervorstach, und das gleich aus mehreren Gründen.
Ein Experiment war die Aufführung des Stummfilms aus dem Jahre 1922 mit der Musik von Rabih Abou-Khalil eigentlich nicht, denn es fand bereits im letzten Jahr die Premiere in München statt. Und der Pate des Abends, Prof. Nico Hoffmann, Produzent und Geschäftsführer von teamWorx/UFA Cinema, berichtete von dem großen Erfolg. In Berlin, so sagte er voraus, werde die Aufführung einen Triumph erleben. Und das tat sie dann auch. Das YEC-Publikum war vor Begeisterung nicht zu bremsen, Standig Ovations und lang anhaltender Applaus quittierten die hervorragende Leistung aller Beteiligten.
Von den Besuchern im Konzerthaus wurde einiges abverlangt. Um 20 Uhr begann der Abend mit der Festivalhymne, gefolgt von der Begrüßung des Parten. Und dann ging es los. Zwei Stunden Stummfilm mit Musik, OHNE Pause. Angestrengte Gesichter zu Beginn, als man von dem Ablauf erfuhr, entspannte danach, aber keine Ermüdungserscheinungen. Die zwei Stunden vergingen sprichwörtlich wie im Fluge, wozu die beiden Hauptkomponenten des Abends ihren Beitrag leisteten: ein spannender Film und eine geradezu überwältigende Musik, von der man nur hoffen kann, dass es sie bald auf CD gibt, und eine DVD mit dem Film und der Musik möglichst dazu.
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Die Kraft des Verschollenen
14.01.2011 23:03 - Thomas Schmölz
Das Bundesjugendorchester interpretiert den Stummfilm "Nathan der Weise" neu
Ein Bericht von Martin Wilkening für die Berliner Zeitung vom 23. August 2010
Die obligate Hymne, die die Konzerte der Young Euro Classic eröffnet, gehört eigentlich, wie die Verbeugung des Dirigenten vor dem Konzert, mehr zum Auftrittsritual als zum eigentlichen musikalischen Programm. Meist bleibt die traulich hübsche Melodie mit der gespreizten Harmonisierung, die Manfred Trojahn erdacht hat, nicht mehr als eine nette, aber indifferente Willkommensgeste. Wie viel Hintersinn hier aber in der seltsamen Verflechtung melodischer Einfalt mit den Abwegen der Harmonik steckt, zeigten die fünf Streichersolisten des Bundesjugendorchesters in einer zeitlupenartig verlangsamten Vorstellung des kleinen Stückes.
Diese wohldurchdachte Interpretation, die jede harmonische Biegung, zu der eine Stimme die andere führte, zum Leuchten brachte, gewann im Kontext des Abends erst recht an Bedeutung, erschien sie wie ein vorangestellter Abgesang auf jenes europäische Musikdenken, das in der Mehrstimmigkeit die Einheit von Melodik und Harmonik schafft. Anschließend zog sich die Musik zur Einstimmigkeit zusammen, zu der mächtigen Melodie eines monodischen Rieseninstruments, für das Rabih Abou-Khalil seine neue, von arabischer Musik inspirierte Filmmusik zu "Nathan der Weise" geschrieben hat. Das von Frank Strobel geleitete Bundesjugendorchester hat sie letztes Jahr zusammen mit dem Film uraufgeführt, als Film mit Livemusik erklang sie jetzt im Konzerthaus.
Der Stummfilm von 1922 gilt als der wichtigste der 39 Filme, die der vergessene Berliner Regisseur Manfred Noa in nur 37 Lebensjahren drehte. Die Premiere fand in Berlin statt, die Originalmusik dazu ist verloren. In München, wo der Film entstand, wurde die Aufführung von der Zensur verboten, unter dem Vorwand, dass man im aufgereizten Klima nach der Niederschlagung der Räterepublik Krawalle befürchtete. Tatsächlich versuchten Nazis der ersten Stunde schon direkt nach der Herstellung die Kopien zu vernichten, was dann später auch gelang. Der Film galt seit 1933 als verschollen, bis sich 1996 in Moskau eine vollständige Kopie fand. Diese trug den Titel "Die Erstürmung Jerusalems", der dem Film viel angemessener erscheint.
Ein Dokument des Pazifismus Noas monumentaler Ausstattungsfilm mit Hunderten von Statisten, Pferden und imposanter Kriegsmaschinerie vor gewaltigen Festungsmauern zeigt vor allem das, was bei Lessing zwar ständig präsent ist, aber unsichtbar bleibt: die kriegerische Gewalt um Jerusalem herum und die Not des Überlebens für die Menschen.
Am beeindruckendsten sind vielleicht die Szenen, in denen plündernde Marodeure, die zurückgelassene Waffen der geschlagenen Tempelritter aufgesammelt haben, einem kleinen Jungen nachstellen - mit dem Schwert in der Hand, das eben gar nichts Heiliges besitzt. Der Film ist, kurz nach Ende des Ersten Weltkrieges, vor allem anderen ein Dokument des Pazifismus, die Auseinandersetzung um religiöse Intoleranz eher ein Nebenschauplatz. Publikumsliebling Werner Krauss spielt den Kaufmann Nathan als verzückt himmelwärts blickenden Heiligen, um ihn herum der Tempelritter als ungestümer aber reiner Tor im angesengten Gewand, der opportunistische Patriarch und der Sultan, neben Nathans frommer Weisheit die einzige Stimme der Vernunft.
So ist die Entscheidung, eine arabisierende Musik zu dem Film zu schreiben, weit mehr als eine Fortsetzung des üppigen Dekors der arabischen Szenerie, sondern auch eine Sympathieerklärung an die Instanz, die Toleranz tatsächlich praktiziert. Abou-Khalils rhythmisch äußerst komplexe Musik trägt den Film mühelos, berührt synchron den Augenblick und spinnt die visuellen Eindrücke fort. Sie verschmäht das Koloristische ebenso wie das Illustrative nicht, tappt jedoch durch ihre eigene rhythmische Energie nie bloß Bildern hinterher: ein gelungenes und eigenwilliges Experiment, Nachahmung nicht empfohlen.
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Rabih Abou-Khalil und Frank Strobel im Gespräch
03.09.2009 14:19 - Thomas Schmölz
Das Gespräch mit Rabih Abou-Khalil (Komponist) und Frank Strobel (Dirigent) wurde unmittelbar nach den Proben mit dem BJO in Bonn in einer Hotellobby aufgezeichnet.
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Probenphase Bonn, August 2009
02.09.2009 00:17 - Thomas Schmölz
Nachdem zunächst Anfang August in Frankfurt (Oder) ein Koordinationstreffen der Dozenten des BJO mit dem Percussionisten Jarrod Cagwin stattfand, trafen am 24. und 25. August 2009 die Musikerinnen und Musiker des BJO erstmals auf den Komponisten Rabih Abou-Khalil, Jarrod Cagwin und den Dirigenten Frank Strobel.
Hier einige Impressionen von den Proben in Bonn:








Besetzung
Violine: Karishma Adita, Katerina Chatzinikolau, Joana Collmer, Sebastia:n Dinu, Tobias Feldmann, Andreas Feldmann, Sophia Grabandt, Nils Hilbert, Julia Knapp, Christopher Kott, Theresa Lier, Lisa Taiyang Liu, Hildegard Niebuhr, Teresa Novák, Jannis Rieke, Fjodor Selzer, Teresa Sophia Simone, Felicia Stepp, Julia Ungureanu, Valentin Ungureanu, Lisa Marie Vogel, Johanna Wundling
Viola: Ann-Sophie Cristea, Ruth Kemna, Muriel Razavi, Daniel Rauscher, Julian Pontus Schirmer, Björn Sperling, Sarina Zickgraf, Magdalena Lautenbacher
Cello: Sophie Notte, Anton Richter, Kundry Röder-Sorge, Jakob Stepp, Nicole Wiebe, Marie-Louise Wundling
Bass: Benedikt Büscher, Franziska Rau, Yannick Sartorelli, Heike Schäfer, Alexander Wachauf-Tautermann
Flöte: Carina Mißlinger, Christine Pöche, Lilja Steininger
Oboe: Juri Schmahl, Nele Stibani
Klarinette: Patrick Hollich, Andreas Kowalczyk, Johannes Schultz
Fagott: Lydia Pantzier, Theo Plath
Horn: Felix Baur, Felix Klieser, Marlene Pschorr
Trompete: Peter Dörpinghaus, Michael Kopp, Jonathan Müller
Posaune: Felix Eckert, Aaron Stilz, Jonas Burow
Schlagzeug: Artemij Bussovikov, Markus Kurz, Viviane Vassileva
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