Bundesjugendorchester - Nationales Jugendorchester der Bundesrepublik Deutschland
18.08.2009 18:00 - Thomas Schmölz
Der außerordentliche Standard des Bundesjugendorchesters resultiert aus der langjährigern kontinuierlichen Arbeit. Seit der Gründung des Orchesters durch den Musikpädagogen Dr. Peter Koch im Jahr 1969 treffen sich hochbegabte 14- bis 19-Jährige Instrumentalisten aus der gesamten Bundesrepublik, die ihre außergewöhnlichen Leistungen bereits bei verschiedenen Wettbewerben wie z. B. »Jugend musiziert« unter Beweis stellen konnten. Sie verzichten für die dreimal jährlich stattfindenden Arbeitsphasen sowie für anspruchsvolle Sonderprojekte auf Ferien und Freizeit. Dozenten aus Musikhochschulen und großen Sinfonieorchestern, wie den Berliner Philharmonikern, bereiten sie in den einzelnen Instrumentengruppen auf die Arbeit im Gesamtorchester vor. Die Orchestermitglieder sind den Umgang mit Dirigenten wie Gerd Albrecht, Heinz Holliger, Bernhard Klee, Kurt Masur, Heinrich Schiff und Mario Venzago gewohnt, und fordern sie durch den sich weit vom Routinebetrieb bewegenden Lernprozess, der sich aus Unterricht und künstlerischer Eigenverantwortung zusammensetzt.
Nach jeder Arbeitsphase scheiden ältere Mitglieder aus und jüngere kommen hinzu. So ist das Ensemblebild stets von neuen Gesichtern geprägt. Jedes Konzert des Bundesjugendorchesters hat deshalb auch künstlerisch und menschlich etwas Einmaliges, das Routine nicht zulässt, sondern für frische, von der jugendlichen Aura des Orchesters geprägte Interpretation sorgt. Auch ruft das Bundesjugendorchester mit seinen interessanten und vielseitigen Programmen internationale Begeisterung hervor. Doch die musikalische Qualifikation im Ensemble geht immer auch mit einer sozialen Hand in Hand. Bedenkt man, welche Trainingsmöglichkeiten für menschliche Konfliktsituationen, die über das rein musikalische hinausgehen, den jungen Musikern geboten werden, so mag man die Bedeutung erkennen, die das Bundesjugendorchester zu weit mehr als einer Nachwuchsförderung für Orchestermusiker werden lässt.
Seit einigen Jahren engagieren sich die jungen Musiker besonders im Rahmen grenzüberschreitender und zeitgeschichtlich bedeutender Projekte. Konzerte in Israel mit Gary Bertini, im ehemaligen Konzentrationslager Theresienstadt mit Gerd Albrecht gehören ebenso dazu wie die Gedenkkonzerte für die Opfer der Atombombenabwürfe von Hiroshima und Nagasaki mit dem Requiem von Mozart und Luigi Nonos »Sul Ponte die Hiroshima« unter der Leitung von Bernhard Klee. Eine USA-Tournee mit Kurt Masur anlässlich des fünfzigsten Jahrestages der Berliner Luftbrücke zählt zu den weiteren Highlights. Auch diese Art von unkonventionellem Kulturengagement zeichnet das Bundesjugendorchester aus.
Seit der Gründung liegt die Trägerschaft des Bundesjugendorchesters beim Deutschen Musikrat. Von Beginn an haben das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und die Deutsche Stiftung Musikleben die Grundfinanzierung des Orchesters übernommen. Weitere Unterstützung erfährt es durch den Westdeutschen Rundfunk und die Daimler AG. Durch die Zusammenarbeit des Deutschen Musikrates mit dem WDR und anderen Rundfunkanstalten erscheinen regelmäßig CDs, die inzwischen zu einer beeindruckenden Dokumentation der Arbeit von Deutschlands jüngstem Spitzenorchester geworden sind.