„AUFNAHME – Absolute Ruhe!“

„Oh man, die hören aber auch jeden Fehler“, Kontrabassist Yannick rümpft die Nase, „Echt, die Stelle ist aber auch schwer. Also nochmal, das muss ich jetzt hinkriegen“. Tatsächlich hat Tonmeister Walter keine Gnade mit den jungen Musikern, die nun schon seit zwei Tagen an den Aufnahmen zum Werk „Nathan der Weise“ arbeiten: Eine Kamera überträgt ständig Bilder in den Tonwagen des Deutschlandradios vor den Toren des Schlosses, über 20 Mikrophone hören jeden noch so kleinen Patzer. „Da kann man nicht schummeln“, lacht Dirigent Frank Strobel. „Jeder Takt muss stimmen, wir arbeiten sehr penibel. Deshalb hängen wir gerade auch etwas hinterher. Nach zwei Probentagen haben wir erst gut ein Drittel im Kasten. Aber es wird. Die Musiker sind unheimlich engagiert, daher habe ich keine Zweifel, dass wir nun, nachdem wir uns warm gespielt haben, den Rest rasch schnell schaffen werden“.

Unter den Musikern ist die Stimmung nach wie vor gut: „Ich stehe auf die rhythmischen Sachen, die der Solist Jarrod Cagwin auf seinen Trommeln macht. Und Rhabi Abou-Khalil ist lustig: er erklärt seine Komposition immer sehr anschaulich und an guten Beispielen. Es macht Spaß, mit so jemandem zusammenzuarbeiten“, sagt Geiger Sebastian. Für ihn wie auch die meisten anderen ist die Film-Komponente eine neue Erfahrung: „Ich habe noch nie einen Stummfilm gesehen, bis auf Charly Chaplin oder so. Gleichzeitig finde ich Filmmusiken von aktuellen Filmen aber auch immer ganz gut. Wir spielen hier im BJO regelmäßig aus Fun abends, nach den Proben, noch ein bisschen Filmmusik. Dann dirigiert einer von uns. Das macht echt Spaß. Hier jetzt auch mal selber eine Filmmusik einzuspielen ist geil. Wenn die Noten es zulassen gucke ich immer auf den Fernseher. Das geht ganz gut, denn wir haben in den Streichern ziemlich viel Pause, was für uns eine ganz neue Erfahrung ist.“

Auch jenseits der Proben, beim abendlichen Zusammensitzen, findet die Verarbeitung des am Tag erlebten eine Fortführung: Nathans Verhalten und der Konflikt der Religionen reizt zu Gesprächen. Sebastian: „Ich finde es schon cool, dass der Konflikt der Religionen in dieser Art und Weise thematisiert wurde. Er ist bis heute aktuell. Bei uns im Ruhrgebiet und bei mir in der Schule sind sehr viele Religionen, die aufeinandertreffen, und da gibt es hin und wieder Sticheleien. Wir haben das Buch nicht im Unterricht durchgenommen, haben das Thema nur im Religionsunterricht angesprochen. Ich denke, ein solches Werk gehört eigentlich in jedem Fall in den Lehrplan – zumindest im Religionsunterricht.“

Nun ist es aber genug der Diskussion: Eine Gruppe Blechbläser ruft zum Kegeln. Schnell sind die Gruppen gebildet: Betreuer-Team und Dirigent treten an gegen vier junge Musiker. Ein spannendes Derby nach einem langen Produktionstag.

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